Legacy ID
1
Von von der Osten-… , 24 Januar 2025

Juden, die im Kurfürstentum Hessen über keinen festen Wohnsitz oder eine Wohnberechtigung verfügten, konnten sich legal nur wenige Tage an einem Ort aufhalten oder versuchen, eine längerfristige Aufenthaltsgenehmigung in Form eines „Toleranzscheines“ zu erlangen. Dies betraf nicht nur „wandernde“ Juden, sondern auch die Kinder der ansässigen Juden, denn nur der erstgeborene Sohn konnte den bestehenden Haushalt ggf. auch als Nothändler weiterführen.

Von von der Osten-… , 24 Januar 2025

Nach der französischen Eroberung Kurhessens und der Errichtung des Königreichs Westphalen kamen die Juden in den Genuss der allgemeinen bürgerlichen Gleichstellung mit den übrigen Untertanen. Deren Emanzipation wurde in einem eigenen Dekret am 27. Januar 1808 geregelt. Das Dekret verfügt in Artikel 1, dass die Untertanen jüdischen Glaubens die gleichen Rechte und Freiheiten wie die übrigen Untertanen genießen. Auf dieser Grundlage wurden alle allein Juden auferlegten Abgaben und Einschränkungen abgeschafft.

Von von der Osten-… , 24 Januar 2025

Mit dem Schlagwort der "bürgerlichen Verbesserung" der Juden zielte man auf die Hebung von deren sozialen Verhältnissen, verband damit aber zugleich erzieherische Maßnahmen. In merkantilistischer Denkweise wurden die Säulen der Volkswirtschaft und des Wohlstandes nämlich in der Landwirtschaft und dem produktiven Zweig des Handwerks gesehen, dagegen bewertete man den von den Juden betriebenen Handel und das Kreditwesen negativ.

Von von der Osten-… , 24 Januar 2025

Nach der bürgerlichen Gleichstellung der Juden während des Königreichss Westphalen konnte Kurhessen das Rad nicht vollends zurückdrehen und räumte den Juden eine bessere Rechtsstellung ein. So sollten ihnen alle „Nahrungszweige“, also auch Handwerk und Landwirtschaft, offenstehen. Diese Rechte wurden jedoch nicht allen Juden gewährt: Der den Kleinsthandel (sog. Nothandel) treibenden jüdischen Unterschicht wurden sie versagt; ihnen konnten nur Schutz- und Toleranzscheine verliehen werden, sie durften auch nicht heiraten.

Von von der Osten-… , 24 Januar 2025

Das Gesetz schrieb im Wesentlichen die Bestimmungen der Verordnung von 1816 fort; als neue Zugeständnisse kamen der Zugang zu öffentlichen Ämtern und passives Wahlrecht hinzu. Diese Verordnung wurde auf das gesamte Land ausgedehnt. Insbesondere hinsichtlich der Situation der Nothändler brachte es jedoch keinerlei Verbesserung. Alle drei Jahre mussten sie eine Handelskonzession beantragen.

 

Von von der Osten-… , 24 Januar 2025

Erst nach der Annexion Kurhessens durch Preußen kamen die hier lebenden Juden durch ein Gesetz des Norddeutschen Bundes in den Genuss voller bürgerlicher und staatsbürgerlicher Gleichberechtigung. Was ihnen de jure gewährt wurde, bedeutete noch lange keine Umsetzung in der Praxis. Gerade Positionen in Staat, Wissenschaft und Militär blieben Juden noch lange verwehrt oder waren nur unter erschwerten Bedingungen zu erwerben.