Von Gast (nicht überprüft) , 24 Januar 2025

Einführung in die Dokumentation


Von Reinhard Neebe


Das Thema „Zwangsarbeit“ ist in den letzten Jahren zunehmend in einen Mittelpunkt des historischen Interesses gerückt. Während noch in den 90er Jahren von den Zwangsarbeitern in der NS-Zeit als den „Vergessenen Opfern“1 gesprochen werden konnte, so hat sich dieses Bild inzwischen grundlegend gewandelt. Beispielhaft hierfür steht nicht zuletzt das „Gesetz zur Errichtung einer Stiftung ,Erinnerung, Verantwortung und Zukunft’“, das im August 2000 in Kraft getretenen ist und auf dessen Grundlage ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter nunmehr einen Rechtsanspruch auf persönliche Entschädigung geltend machen können.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Themenkomplexes steht heute auf einem gefestigten Fundament: Aus der Fülle der Literatur sei hier nur verwiesen auf die Arbeiten von Ulrich Herbert2 oder die 2001 erschienene Gesamtdarstellung Mark Spoerers zur „Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz“. Zunehmend wichtig geworden sind aber auch regionalgeschichtliche Forschungsansätze und Dokumentationen. So ist das Schicksal der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter 1939-1945 im Darmstädter und südhessischen Bereich in den Darmstädter Archivschriften 13, 2002 quellennah aufgearbeitet, während erste Forschungsergebnisse zur Zwangsarbeit in Marburg als Sonderveröffentlichung im Auftrag der Marburger Stadtverordnetenversammlung im Jahre 2000 publiziert werden konnten.

Hier vorzustellen ist eine Online-Dokumentation zum Thema „Zwangsarbeit während der NS-Zeit in Hessen“, die parallel zur gleichnamigen Ausstellung des Staatsarchivs (Eröffnung 11. März 2004) erscheint. Die von DigAM - Digitales Archiv Marburg (Arbeitsstelle Archivpädagogik am Hessischen Staatsarchiv Marburg) erarbeitete virtuelle Präsentation will einen Einblick geben in die Komplexität, aber auch Widersprüchlichkeit des Systems der „Zwangsarbeit“ im Zweiten Weltkrieg. Sie hat nicht zum Ziel, eine abgerundete Gesamtdarstellung der Thematik „Zwangsarbeit“ vorzulegen, sondern will vielmehr Material ausbreiten, das unterschiedliche Dimensionen des Problems aufzuzeigen hilft und Anstöße gibt für eine selbständige Auseinandersetzung. Dem Ansatz des „entdeckenden Lernens“ entsprechend sind die Dokumente in ein neu entwickeltes Datenbanksystem integriert, das eine Abfrage auch quer zu der hier vorgenommenen Einordnung bzw. Strukturierung ermöglicht.

Ein besonderer inhaltlicher Schwerpunkt der Dokumentenauswahl aus dem Staatsarchiv Marburg liegt bei der Gruppe der polnischen Zivilarbeiter und –arbeiterinnen. Entsprechend der industrieschwachen Struktur des nordhessischen Raumes waren diese vornehmlich in der Landwirtschaft und in kleinbäuerlichen Betrieben beschäftigt, wenn auch dem Arbeitseinsatz in der DAG Allendorf (Lager Münchmühle) eine nicht unwichtige Bedeutung zukam.

Nachfolgende Aspektbereiche von „Zwangsarbeit“ im Nationalsozialismus 1939-1945 werden in der Dokumentation thematisiert:


  • Rahmenvorgaben („Polen-Erlasse“ des Reichsführers SS Himmler vom März 1940 u.a.)

  • Rolle der beteiligten Institutionen (Arbeitsamt, Landrat, Bürgermeister vor Ort, Arbeitgeber - Gestapo Kassel, Gendarmerie-Posten auf dem Lande, Regierungspräsident Kassel)
  • Verteilung der Zivilarbeiter und Arbeitseinsatz

  • Arbeitsverwaltung und Entlohnungssystem / Arbeitskarten

  • Abstufungen zu Zivilarbeitern anderer Nationalität

  • Kontroll- und Sanktionssysteme, „Arbeitsdisziplin“

  • Diskriminierungssysteme (Polen-„Kennzeichen“)

  • Unterbindung der Mobilität

  • Teilnahme am Gottesdienst und religiöses Leben

  • Sexuelle Repression

  • Haftsachen und „Arbeitserziehungslager“

  • Denunziationen

  • Mitmenschen oder Untermenschen? Verhältnis der deutschen Bevölkerung zu den Zivilarbeitern.

  • Veränderungen im Laufe des Krieges – Verschärfung seit 1942/43.



Literaturhinweise/Anmerkungen:

  1. Vgl. Pagenstecher, Cord, Vergessener Opfer – Zwangsarbeit im Nationalsozialismus auf öffentlichen und privaten Fotographien, in: Fotogeschichte, 17 H. 65, 1997, S. 59-72

  2. Herbert, Ulrich, Fremdarbeiter. Politik und Praxis des „Ausländer-Einsatzes“ in der Kriegswirtschaft des Drittens Reiches, 2. Aufl., Bonn 1999

  3. Spoerer, Mark, Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz. Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939-1945. Stuttgart-München 2001

Bilder und Text jeweils auf eigener Seite
Ja
Kurztitel
Zwangsarbeit in Hessen
Legacy-ID
63
Reihenfolge
0
Räume

Haftsachen russischer und polnischer Zivilarbeiter 1942 – 1944 (LA Fulda und Fritzlar-Homberg)

Von Gast (nicht überprüft) , 24 Januar 2025
Bei besonderen Verstößen gegen die „rechtlichen“ Vorschriften und sonstigen Verhaltensauflagen konnte die Geheime Staatspolizei, unter Umgehung der Staatsanwaltschaft, die Inhaftnahme der betreffenden Zwangsarbeiter veranlassen. Anschuldigungsgrund war meist das unerlaubte Verlassen des Arbeitsplatzes oder „Disziplinwidrigkeit“, formal als „Arbeitsvertragsbruch“ dargestellt. Die hier dokumentierten Haftsachen russischer und polnischer Zivilarbeiter aus den Landkreisen Fulda und Fritzlar-Homberg in den Jahren 1942-1944 zeigen die mögliche Bandbreite des Entscheidungsspielraums der Gestapo auf. Während im Ausnahmefall eine „Umvermittlung“ auf eine andere Arbeitsstelle möglich war, so drohte in der Regel doch zumindest „verschärfte Erziehungshaft“ oder die Überstellung in ein Konzentrationslager. In einem Fallbeispiel erfolgte die Einweisung des Angeschuldigten in das Konzentrationslager Auschwitz.
Bilder und Text jeweils auf eigener Seite
Ja
Legacy-ID
317
Reihenfolge
3

Polizeiliches Meldewesen: Polnische Arbeiter im Kreis Marburg 1940-1944

Von Gast (nicht überprüft) , 24 Januar 2025
Schwerpunkt dieses Abschnittes ist die Dokumentation verschiedener Fallbeispiele insbesondere aus den Anfangsjahren des polnischen Zwangsarbeitereinsatzes 1940 – 1941/42 im Kreis Marburg. Die polnischen Zivilarbeiter und –arbeiterinnen waren vornehmlich in der Landwirtschaft bzw. in bäuerlichen Kleinbetrieben eingesetzt. Dem Arbeitseinsatz bei der DAG Allendorf (Lager Münchmühle) kam demgegenüber zumindest quantitativ eine geringere Bedeutung zu. Die hier dokumentierten Vorgänge spielen sich in der Regel auf der „unteren“ Ebene ab, sie geben interessante Einblicke in die Rolle der am Einsatz der Zwangsarbeiter beteiligten Institutionen vom kleinen Dorfbürgermeister, über den Landrat, das Arbeitsamt, den Gendarmerie-Posten vor Ort bis hin zur Gestapo in Kassel. Die Akten zeigen – oft zwischen den Zeilen – viel über das Verhältnis der einheimischen Bevölkerung zu den Zivilarbeiten sowie die z.T. grotesken Versuche, eine praktikables Kontroll- und Sanktionssystem durchzusetzen, sowie die mit dem Kriegsverlauf zunehmenden persönlichen Einschränkungen für die Zwangsarbeiter: Dies bezieht sich auf die Unterbindung jedweder räumlicher Mobilität, die Begrenzung des religiösen Lebens und nicht zuletzt eine umfassende sexuelle Repression.
Bilder und Text jeweils auf eigener Seite
Ja
Dokumente
Legacy-ID
318
Reihenfolge
4

Russische Zivilarbeiter und Zivilarbeiterinnen (Arbeitskarten Russen M-Z) (LA Marburg)

Von Gast (nicht überprüft) , 24 Januar 2025
In diesem Abschnitt sind sollen die Schicksale russischer Zivilarbeiter und Zivilarbeiterinnen -anhand der erhalten gebliebenen Arbeitskarten aus dem Bestand 180 Marburg Nr. 4866- zumindest ansatzweise dokumentiert werden. Die beispielhaft ausgewählten Arbeitskarten (jeweils mit Paßfoto) geben Aufschluß über den Arbeitseinsatz russischer Zwangsarbeiter im Kreis Marburg. Sie enthalten Geburtstag und Geburtsort sowie mittelbar den Zeitpunkt der Deportation, das Datum der Arbeitsaufnahme und ggf. des Betriebswechsels. Die Karten zeigen die Alterstruktur der russischen Zwangsarbeiter (beginnend ab 16/17 Jahre zum Zeitpunkt der Verschleppung), ihr Qualifikationsprofil und die Zuweisung in unterschiedliche Betriebe (überwiegend landwirtschaftliche Betriebe, aber auch Hauswirtschaft, IG-Farben / Behring-Werke Marburg, WASAG Allendorf u.a.).
Bilder und Text jeweils auf eigener Seite
Ja
Legacy-ID
316
Reihenfolge
2

Zivilarbeiter und Zivilarbeiterinnen polnischen Volkstums. Polizeiverordnungen usw. (Bezirk Kassel: LA Marburg, Fulda, Hünfeld, Fritzlar-Homberg)

Von Gast (nicht überprüft) , 24 Januar 2025
Die in diesem Teilkapitel enthaltenen Dokumente beziehen sich schwerpunktmäßig auf die Einsatzbedingungen polnischer Zivilarbeiter und –arbeiterinnen in Nordhessen (Bezirk Kassel) vom März 1940 bis zum August 1944. Grundlage der Zusammenstellung bilden Akten der Landratsämter der Kreise Marburg, Fulda, Hünfeld und Fritzlar-Homberg. Dokumentiert sind zunächst wesentliche rechtliche Rahmenvorgaben für die Organisation und Durchführung der Zwangsarbeit, beginnend mit den „Polen-Erlassen“ des Reichsführers SS Heinrich Himmler vom 8. März 1940. Zu diesem Themenkomplex gehören u.a. auch Merkblätter für deutsche Betriebsführer, Entlohnungstabellen für Ostarbeiter sowie die verschärften Bestimmungen für den Ostarbeitereinsatz in den Jahren 1943 und 1944. Eine besondere Beachtung kommt der Tätigkeit der Geheimen Staatspolizei, Staatspolizeistelle in Kassel, zu. In die Dokumentation aufgenommen ist ferner eine Gesamtliste aller Ausländer im Landkreis Marburg, aufgeschlüsselt nach Nationalitäten und nach ihrer Verteilung auf Städte und Gemeinden.
Bilder und Text jeweils auf eigener Seite
Ja
Dokumente
Legacy-ID
315
Reihenfolge
1