Legacy ID
20
Von Rosenkötter , 24 Januar 2025
Aus der Schutzhaft entlassene Häftlinge müssen erklären, dass sie sich in Zukunft nicht mehr "staats- und regierungsfeindlich" betätigen werden. Auch wird ihnen untersagt, sich kritisch gegenüber dem Staat und den Machthabern zu äußern. Bei Zuwiderhandlung droht ihnen erneute Verhaftung. Durch Druck und Drohung gelingt es so den Nationalsozialisten, ihre noch vorhandenen politischen Gegner nach und nach auszuschalten.
Von Gast (nicht überprüft) , 24 Januar 2025
Die im Zuge des Reichstagsbrandes erlassene Verordnung, die faktisch die Grundrechte außer Kraft setzte, wurde auch im Marburger Landkreis sofort angewandt: Die Liste dokumentiert ab dem 28. Februar vorgenommene Hausdurchsuchungen und beschlagnahmtes Material, das bei Angehörigen der KPD und SPD gefunden wurde; darunter Zeitschriften, Zeitungen und Flugblätter. Nur ganz vereinzelt wurden Schusswaffen und Munition sichergestellt.
Von Gast (nicht überprüft) , 24 Januar 2025

Der Polizeipräsident Pfeffer macht Vorschläge zur Durchführung und Dauer der Schutzhaft: so möchte er die Mindestdauer der Haftzeit von vier Wochen auf etwa zwei bis drei Monate ausdehnen. Außerdem informiert er über die Einrichtung eines "Gross-Konzentrationslagers", in das entlassene Häftlinge, die sich wieder "staatsfeindlich" betätigten, eingeliefert werden sollten. Aus "volkserzieherischen Gründen" sieht er schlicßelich für solche Schutzhäftlinge die Verlegung in ein "Arbeitsdienstlager" vor, die ihre "Besserungsfähigkeit" unter Beweis gestellt hätten.

 

Von Gast (nicht überprüft) , 24 Januar 2025

Der 1. Mai, ein Montag, sollte auch in Marburg feierlich begangen werden. Das abgedruckte Programm zeigt die Einbindung der Jugend - von Schülern und Studenten - sowie vor allem der in NS-Betriebsgruppen organisierten Mitglieder, u.a. der NS-Betriebszellen-Organisation oder der NS-Beamtenarbeitsgemeinschaft. Arbeiter und Angestellte, die nicht in einem NS-Bund organisiert sind, müssen sich, um teilnehmen zu können, einem solchen für die Zeit des Aufmarsches anschließen. An dieser Stelle wird deutlich, dass die Gewerkschaften an ihrem Tag nicht mehr im Mittelpunkt stehen.

Von Gast (nicht überprüft) , 24 Januar 2025

 Der Fackelzug durch die Stadt endete am 10. Mai auf dem Kämpfrasen, in dessen Mitte ein großer Scheiterhaufen brannte. Unter dem Motto "Wider den undeutschen Geist" wurden "undeutsche" Bücher und Schriften verbrannt. Die Bücherverbrennung wurde von der Deutschen Studentenschaft, dem Dachverband der allgemeinen Studentenausschüsse, organisiert und unter Führung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) durchgeführt.

Von Gast (nicht überprüft) , 24 Januar 2025

Das Hessische Tageblatt hat das Programm der Feierlichkeiten zum 1. Mai nur kurz zusammengefasst. Es veröffentlicht allerdings noch den Aufruf des Marburger Gewerkschaftsvorsitzenden Geilfuß`, der seine Mitglieder zwar einerseits auffordert, sich "restlos an den Feiern zu beteiligen", aber andererseits angesichts der nun vom Staat organisierten Abläufe daran erinnert, dass sie die eigentlichen Wegbereiter, "die Pioniere des Maigedankens", seien.

 

Von Rosenkötter , 24 Januar 2025
Die Schulen werden dazu aufgefordert, Leistungen und Charaktereigenschaften ihrer Abgänger zu benennen. Zusammen mit Aussagen von Ärzten und HJ will die Berufsberatung mit diesen Informationen angesichts "völkischer, wehr- und allgemeinwirtschaftlicher" Voraussetzungen Schüler, die in das Erwerbsleben eintreten, besser beraten und vermitteln.
Von Rosenkötter , 24 Januar 2025

Der Minister kündigt in seinem Schreiben an den RP in Kassel die Trennung von jüdischen und nichtjüdischen Schülern in öffentlichen Schulen an. Darum müssten neue Räumlichkeiten für den jüdischen Privatunterricht gefunden werden. Jüdische Privatlehrer erhielten aber nur ein Gehalt, wenn sie dies vorher aus der Stadtkasse bezogen hätten. Auch sollen alle "in Schutzhaft genommenen Lehrer" aus der Haft entlassen werden, damit die jüdischen SchülerInnen nicht zu lange ohne Unterricht verbleiben.