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Von von der Osten-… , 24 Januar 2025

Juden, die im Kurfürstentum Hessen über keinen festen Wohnsitz oder eine Wohnberechtigung verfügten, konnten sich legal nur wenige Tage an einem Ort aufhalten oder versuchen, eine längerfristige Aufenthaltsgenehmigung in Form eines „Toleranzscheines“ zu erlangen. Dies betraf nicht nur „wandernde“ Juden, sondern auch die Kinder der ansässigen Juden, denn nur der erstgeborene Sohn konnte den bestehenden Haushalt ggf. auch als Nothändler weiterführen.

Von von der Osten-… , 24 Januar 2025

Nachdem das Marburger Gymnasium Leopold Eichelberg die Studierfähigkeit testiert hatte, gestattete der Kurfürst bzw. das zuständige Ministerium ihm die Aufnahme eines Studiums an der Landesuniversität Marburg.

Soche " Dispensationen" waren seit 1774 für die studierwilligen Söhne von Bauern und Bürgern verpflichtend.

Von von der Osten-… , 24 Januar 2025

Das undatierte Foto zeigt den wichtigsten Repräsentanten des hessischen Antisemitismus Dr. Otto Böckel in 'jüngeren Jahren'. Hinzugesetzt ist das Umschlagbild des "Kehraus! Antisemitischer Volkskalender" aus dem Jahr 1892, erschienen in dem von Böckel betriebenen Verlag Reichs-Herold. Es illustriert einen stark nationalistisch gefärbten Antisemitismus, verkörpert in einer blonden, martialischen Germania, die nach der Enthauptung des als abscheulicher Drache dargestellten Judentums das Schwert zurück in die Scheide steckt.

Von von der Osten-… , 24 Januar 2025

Mit dem Schlagwort der "bürgerlichen Verbesserung" der Juden zielte man auf die Hebung von deren sozialen Verhältnissen, verband damit aber zugleich erzieherische Maßnahmen. In merkantilistischer Denkweise wurden die Säulen der Volkswirtschaft und des Wohlstandes nämlich in der Landwirtschaft und dem produktiven Zweig des Handwerks gesehen, dagegen bewertete man den von den Juden betriebenen Handel und das Kreditwesen negativ.

Von von der Osten-… , 24 Januar 2025

Nach der bürgerlichen Gleichstellung der Juden während des Königreichss Westphalen konnte Kurhessen das Rad nicht vollends zurückdrehen und räumte den Juden eine bessere Rechtsstellung ein. So sollten ihnen alle „Nahrungszweige“, also auch Handwerk und Landwirtschaft, offenstehen. Diese Rechte wurden jedoch nicht allen Juden gewährt: Der den Kleinsthandel (sog. Nothandel) treibenden jüdischen Unterschicht wurden sie versagt; ihnen konnten nur Schutz- und Toleranzscheine verliehen werden, sie durften auch nicht heiraten.

Von von der Osten-… , 24 Januar 2025

Das Gesetz schrieb im Wesentlichen die Bestimmungen der Verordnung von 1816 fort; als neue Zugeständnisse kamen der Zugang zu öffentlichen Ämtern und passives Wahlrecht hinzu. Diese Verordnung wurde auf das gesamte Land ausgedehnt. Insbesondere hinsichtlich der Situation der Nothändler brachte es jedoch keinerlei Verbesserung. Alle drei Jahre mussten sie eine Handelskonzession beantragen.

 

Von von der Osten-… , 24 Januar 2025

Erst nach der Annexion Kurhessens durch Preußen kamen die hier lebenden Juden durch ein Gesetz des Norddeutschen Bundes in den Genuss voller bürgerlicher und staatsbürgerlicher Gleichberechtigung. Was ihnen de jure gewährt wurde, bedeutete noch lange keine Umsetzung in der Praxis. Gerade Positionen in Staat, Wissenschaft und Militär blieben Juden noch lange verwehrt oder waren nur unter erschwerten Bedingungen zu erwerben.

Von von der Osten-… , 24 Januar 2025

Die Verordnung bestimmte unter anderem, dass angehende Rabbiner sich - neben der Prüfung durch das Rabbinat - einer Prüfung vor einer Kommission der Philosophischen Fakultät der Marburger Universität zu unterziehen hatten. Später wurde ebenfalls ein vorhergehender Universitätsbesuch angeordnet. Die Rabbinerausbildung wurde mit dieser Heranführung an die Universität standardisiert und für den Staat prüfbar.