Transkription
Sophia dei gracia Thuringie lantgravia, quondam Brabancie ducissa, omnibus littere presentis inspectoribus salutem in perpetuum. Quoniam labilis est memoria hominum, utiliter sibi mutabilitas humana consuluit et providit, ut ea, que geruntur in tempore, ne per oblivionem evanescant, fideli scripturarum testimonio perhennentur. Proinde tenore presencium universis notum esse volumus, quod nos pensata discrecione et caritativa devocione fratrum Theutonicorum hospitalis sancte Marie in Jerusalem ob honorem dei et remedium anime domini ducis Brabancie nostri conjugis et pro nostra omniumque nostrorum predecessorum salute jus patronatus capelle in Wherde, quod hactenus dinoscimur habuisse, hospitali beate Elisabeth in Martburg contulimus jure perpetuo possidendum. Fratres vero predicti hospitalis de consensu archidiaconi predictam capellam sive per confratrem suum sive per secularem personam, sicut ipsis fratribus videbitur expedire, in divinis officiis procurabunt. Ut autem tam pium factum nostram maneat inconvulsum, presentem litteram sigillo nostro fecimus conmuniri.
Acta sunt hec in castro Wartberg, anno domini millesimo ducentesimo quinquagesimo, septimo kalendas marcii.
Testes sunt: frater Paulus prior fratrum ordinis Predicatorum in Isenako, frater Bertoldus socius ipsius, frater Wigandus de Scirckede capellanus noster, frater Volpertus conmendator in Martburg, dominus Cunradus Milchelingus, dominus Wideroldus de Nortecke, Johannes Aureus de Gruninberg, dominus Gothefridus quondam abbas de Hirswindehusen.
Übersetzung
[Ich], Sophie, von Gottes Gnaden Landgräfin von Thüringen, vormals Herzogin von Brabant, entbiete allen Betrachtern des gegenwärtigen Schreibens in Ewigkeit meinen Gruß. Da ja das Gedächtnis des Menschen vergänglich ist, weil er [Gott] nützlich die menschliche Vergänglichkeit beschlossen und vorgesehen hat, kostete die schriftliche Darlegung des Zeugnisses dem Gläubigen viele Jahre, damit diejenigen [Zeugnisse], die die Zeit überdauern, nicht in Vergessenheit geraten. Aus diesem Grund geben wir durch den gegenwärtigen Wortlaut bekannt, dass wir durch sorgfältige Überlegung und aufgrund der wohltätigen Hingabe der Deutschordensbrüder des Hospitals der Heiligen Maria in Jerusalem zur Ehre Gottes und für das Seelenheil des Herrn, des Herzogs von Brabant, unseres Ehemanns, und für unser und aller unserer Vorgänger Heil das Patronatsrecht der Kapelle in Wehrda, dass wir, damit wir auseinandergehalten werden können, bislang innegehabt haben, dem Hospital der Heiligen Elisabeth in Marburg schenken, das es für immer rechtmäßig besitzen [soll]. Die Brüder des vorgenannten Hospitals aber werden dafür sorgen, mit der Genehmigung des Archidiakons der vorgenannten Kapelle entweder einen ihrer Mitbrüder oder eine weltliche Person, so wie es von diesen Brüdern beabsichtigt wird, für die heiligen Ämter bereitzustellen. Damit aber unsere so fromme Handlung unbeschädigt bleibe, veranlassen wir, dass dem gegenwärtigen Schriftstück unser Siegel angehängt wird.
Gegeben sind diese [Inhalte] in der Burg Wartburg, im Jahr des Herrn 1250, am siebten Tag vor den Kalenden des März.
Zeugen sind: Bruder Paul, Prior des Dominikanerordens in Eisenach; sein Genosse Bruder Berthold; Bruder Wigand von Schröck, unser Kaplan; Bruder Volpert, Komtur in Marburg; Herr Konrad Milchling; Herr Widerold von Nordeck; Johann Gulden von Grünberg, Herr Gottfried, vormals Abt von Hardeshausen.
Erläuterung
Die Schenkung des Patronats im Marburger Ortsteil Wehrda an das Marburger Elisabethhospital ist im Kontext der umfangreichen Förderung zu betrachten, die Sophie von Brabant der von ihrer Mutter gegründeten Einrichtung zuteilwerden ließ. Die ungarische Königstochter Elisabeth war die Ehefrau Landgraf Ludwigs von Thüringen. Nach ihrem Tod 1231 wurde sie bereits 1235 von Papst Gregor IX. heiliggesprochen. Der Bau des Hospitals hatte im Jahr 1228 begonnen. Elisabeth finanzierte diesen aus der Abfindung von 2.000 Mark Silber, die sie nach dem Tod ihres Ehemanns bei einem Vergleich mit ihren Verwandten erhalten hatte. Elisabeth wurde 1231 in der Kapelle beigesetzt. Aufgrund der stetig wachsenden Elisabethverehrung wurde ein Neubau begonnen, der 1232 von Konrad von Marburg, dem Beichtvater Elisabeths, geweiht wurde. 1234 wurde das Hospital dem Deutschen Orden übertragen und unter den Schutz des Reichs gestellt. Beim Bau der Elisabethkirche ab 1235 wurden die von der Heiligen errichteten Gebäude abgerissen und überbaut. Am 1. Mai 1236 erschien Kaiser Friedrich II. am Marburger Grab Elisabeths von Thüringen und beteiligte sich an der feierlichen Erhebung ihrer Gebeine.
In den Erbauseinandersetzungen mit dem Markgrafen von Meißen und den Mainzer Erzbischöfen zwischen 1248 und 1264 bediente sich Sophie von Brabant der Rolle ihrer Mutter, die als hessische Landesmutter stilisiert wurde, um die Herrschaft ihres unmündigen Sohns Heinrich I. über Hessen zu festigen. Zu diesem Zweck stützte sich Sophie auf den Deutschen Orden in Marburg, dem sie zahlreiche Privilegien gewährte. In diesem Zusammenhang ist die vorliegende Schenkung zu betrachten, die von den bedeutendsten geistlichen Amtsträgern sowie lokalen Niederadligen des hessischen Territoriums bezeugt wurde.
bearbeitet von Daniel Gneckow
Glossar
Komtur
Konrad von Marburg
Patronat
Prior
Literatur
Rainer Atzbach, Marburgs heiligster Ort. Ausgrabungen 1970/71 am Standort der Hospitalgründung der heiligen Elisabeth, Marburg 2007; Ursula Braasch-Schwersmann, Das Deutschordenshaus Marburg. Wirtschaft und Verwaltung einer spätmittelalterlichen Grundherrschaft (Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte, 11), Marburg 1989; Ursula Braasch-Schwersmann, Das Deutschordenshaus Marburg und seine Niederlassungen in hessischen Städten im Mittelalter, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 42 (1992), S. 49-85; Karl Ernst Demandt, Geschichte des Landes Hessen, Nachdr. der 2., neubearb. u. erw. Aufl. 1972, Kassel 1980; Karl Heinemeyer, Hessen und Thüringen im früheren und hohen Mittelalter, in: Blätter des Vereins für Thüringische Geschichte 1 (1991), S. 5-17; Theodor Ilgen/Rudolf Vogel (Bearb.), Kritische Bearbeitung und Darstellung der Geschichte des thüringisch-hessischen Erbfolgekrieges (1247-1264), in: ZHG 20, NF 10 (1883), S. 151-380; Wolfhard Vahl, Konrad von Marburg, die Heilige Elisabeth und der Deutsche Orden (Schriften des Hessischen Staatsarchivs Marburg, 18), Marburg 2007; Paul Jürgen Wittstock/Katja Wehry, Elisabeth in Marburg. Der Dienst am Kranken, Kassel 2007.