Transkription
(Chrismon) Pippinus rex Francorum vir inluster. Et quia monente scriptura ita oporteat unumquemque constanter praeparare, quatenus veniente in conspectu superni iudices illam mereatur domini piam vocem audire, quem omnes iusti ex bonis actibus erunt gavisi, quapropter nos salubriter, ut credimus, considerantes, qualiter ex terrenis rebus, quibus divina misericordia nobis affluenter in hoc seculo largire dignata est, saltim vel in pauperibus ex hoc tribuere deberemus, unde misericordiam ipsius adaepisci valeamus. Idcirco donamus nos pro animae nostrae remedium vel bone memoriae germano nostro Carlomanno quondam ad monasterium Fulda, ubi domnus Bonefacius corpore requiescat, villa aliqua noncupante Autmundisstat, qui ponitur in pago Moinigaugio super fluvio Ricchina, cum omnibus terminis vel appendiciis suis, ut cum omni integritate ad ipso monasterio vel monachis ibidem deservientibus seu luminaria ipsius ecclesia procuranda vel stipendia pauperum ibidem praedicta villa proficere debeat in aumentum, et ut melius dilectat ipsos monachus pro nobis vel germano nostro seu subsequentem progeniae nostra die noctuque domini misericordia adtentius depraecare. Igitur praedicta villa una cum terris, domibus, aedificiis, accolabus, mancipiis, silvis, campis, pratis, pascuis, aquis aquarumve decursibus, mobilibus et immobilibus, sicut supra diximus, cum omni integritate, quicquid praesenti tempore nostra ibidem videtur esse possessio, pars praedicti monasterii eiusque rectores habeant, teneant adque possedant et ad ipsa casa dei in nostra aelymosina vel germano nostro usque in perpetuum absque ullius repetitione debeat esse iure integro confirmata.
Et ut haec cessio firmior habeatur, nos eam subter firmavimus vel de anolo nostro sigillare studuimus.
Signum (Kreuz-Monogramm) Pippini gloriosissimi regis.
(Chrismon) In dei nomine Baddilo recognovit et (Rekognitionszeichen; tironische Noten: Baddilo subscripsi) (Siegel).
Datum in mense iulio anno quintodecimo regni nostri; actum Aurilianis civitate publice; in dei nomine Hitherius scripsit; feliciter.
Übersetzung
(Chrismon) Pippin, König der Franken, der hervorragende Mann[, grüßt alle, die das gegenwärtige Schriftstück sehen werden]. Der [Heiligen] Schrift zufolge gehört es sich, dass jeder Einzelne beständig Sorge dafür tragen soll, dass er, sobald er vor das Angesicht des höchsten Weltenrichters komme, sich verdient gemacht habe, um das gnädige Wort des Herrn zu hören, über welches alle Gottesfürchtigen aufgrund ihrer guten Taten erfreut sein werden. Und deswegen ziehen wir heilsam, wie wir glauben, in Erwägung, dass wir es gleichwie schuldig sind, doch wenigstens die Armen aus unseren irdischen Gütern zu beschenken, über die wir dank göttlicher Barmherzigkeit in dieser Welt reichlich verfügen. Deshalb sind wir würdig, die Barmherzigkeit desselben [Gottes] zu erlangen. Darum schenken wir dem Kloster Fulda, wo [der Leichnam des] Herr[n] Bonifatius bestattet ist, für unser Seelenheil und zum guten Andenken unseres verstorbenen Bruders Karlmann einen im Bezirk Maingau jenseits des Flusses Ricker (Richerbach?) gelegenen Ort, Umstadt genannt, mit allen seinen Gebieten und zugehörigen Landstücken. Denn [diese Schenkung] ist notwendig, um mit aller Redlichkeit für dasselbe Kloster und dessen eifrig dienende Mönche oder für die Beleuchtung der Kirche desselben [Klosters] zu sorgen, oder um sie als Wohltat zur Förderung der Armen aus dem vorgenannten Ort zu verwenden. Und damit es [Gott] noch mehr erfreue, sollen dieselben Brüder Tag und Nacht für uns, unseren Bruder und unsere folgende Nachkommenschaft um die Barmherzigkeit des Herrn bitten. Daher soll der vorgenannte Ort mitsamt Ländereien, Häusern, Gebäuden, Zinspflichtigen, Leibeigenen, Wäldern, Feldern, Wiesen, Weiden, Gewässern und Wasserläufen, beweglichen und unbeweglichen [Gütern] mit aller Redlichkeit Besitz [des Klosters] sein, wie wir oben versichert haben, was auch immer unsere Zeitgenossen beschließen. [Sie sind] Teil des vorgenannten Klosters und dessen Leiter besitzen, halten und bewahren unsere mildtätige Schenkung und [sind verpflichtet,] in diesem Haus Gottes für unser und unseres Bruders [Seelenheil zu beten, was] allzeit und ohne jede Wiederholung durch unverbrüchliches Recht bestätigt sei.
Und damit diese Schenkung rechtsgültig verbleibe, bekräftigen wir sie nachstehend und ordnen an, sie mit unserem [Siegel-]Ring zu besiegeln.
Handzeichen Pippins, des ruhmvollsten Königs (Kreuz-Monogramm).
(Chrismon) Im Namen Gottes hat Baddilo geprüft und ich, Baddilo, habe unterzeichnet (Siegel).
Gegeben im Monat Juli, im fünfzehnten Jahr unserer Königsherrschaft; öffentlich verhandelt in der Stadt Orléans; im Namen Gottes hat Hitherius geschrieben; Glück [und Segen].
Erläuterung
Im Juli 766 übertrug Pippin der Jüngere, seit 751 König des Frankenreichs, dem Kloster Fulda die villa Umstadt im Maingau. Die Schenkung sollte dem Kloster insbesondere zur Beleuchtung der Kirche mit Kerzen und der Armenfürsorge dienen. Im Gegenzug waren die Mönche verpflichtet, für das Seelenheil Pippins und seines Bruders Karlmann († 754) zu beten. Die Urkunde wurde von Hitherius unter der Aufsicht des Baddilo verfasst. Sie ist in eine Reihe umfangreicher Schenkungen und Privilegien einzuordnen, mit denen die von fränkischen Hausmeiern zu Königen aufgestiegenen Karolinger die junge Abtei förderten.
Im Auftrag des Bonifatius gründete der Hersfelder Einsiedler Sturmius 744 das Benediktinerkloster, dessen erster Abt er wurde. Bereits vor der eigentlichen Gründung hatte der Hausmeier Karlmann den Mönchen den Grundbesitz im Umland der Abtei übertragen. Bald darauf bemühten sich die selbstbewussten Mitbrüder des Bonifatius um die Anerkennung der klösterlichen Autonomie durch den Heiligen Stuhl, die sie 751 im sogenannten Zacharias-Privileg erhielten. Infolge des gewaltsamen Tods des Bonifatius bei der Missionierung der Friesen 754 gewann Fulda als Pilgerziel an Bedeutung; gleichzeitig zeichneten sich jedoch Konflikte mit dem Bistum Mainz ab: Nachdem mit Lullus 752 ein Fuldaer Mönch zum Bischof von Mainz geweiht wurde, strebte dieser nach der Ausdehnung seiner Diözese. Das Fuldaer Kloster sah aufgrund dieser Bemühungen seine Eigenständigkeit bedroht. Lullus gelang es mit der Unterstützung Pippins zunächst, Sturmius als Abt absetzen zu lassen, doch 765 kehrte er nach Fulda zurück und das Kloster wurde dem Schutz des Königs unterstellt. Damit erhielt Fulda den Status eines Reichsklosters und war fortan eng mit dem fränkischen Königtum verbunden. Pippin und seine Nachfolger bedachten die Mönche mit großzügigen Schenkungen, welche die Eigenständigkeit des Klosters gewährleisteten und es zu einem bedeutenden Machtfaktor im hessischen Raum werden ließen.
bearbeitet von Daniel Gneckow
Literatur
Harry Bresslau, Handbuch der Urkundenlehre für Deutschland und Italien, Bd. 1, 2. Aufl., Leipzig 1912, S. 371-374; Ulrich Hussong, Die Reichsabtei Fulda im frühen und hohen Mittelalter. Mit einem Ausblick auf das späte Mittelalter, in: Walter Heinemeyer/Berthold Jäger (Hgg.), Fulda in seiner Geschichte. Landschaft, Reichsabtei, Stadt (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 57), Marburg 1995, S. 89-179; Ulrich Hussong, Die Geschichte des Klosters Fulda von der Gründung bis ins 11. Jahrhundert, in: Wolfgang Hamberger/Thomas Heiler/Werner Kirchhoff (Hgg.), Geschichte der Stadt Fulda. Von den Anfängen bis zum Ende des Alten Reiches, Fulda 2009, S. 143-165; Berthold Jäger, Zur wirtschaftlichen und rechtlichen Entwicklung des Klosters Fulda in seiner Frühzeit, in: Marc-Aeilko Aris/Susanna Bullido del Barrio (Hgg.), Hrabanus Maurus in Fulda. Mit einer Hrabanus Maurus-Bibliographie (1979-2009) (Fuldaer Studien 13), Frankfurt am Main 2010, S. 81–120; Werner Rösener, Die Grundherrschaft des Klosters Fulda in karolingischer und ottonischer Zeit, in: Gangolf Schrimpf (Hg.), Kloster Fulda in der Welt der Karolinger und Ottonen (Fuldaer Studien 7), Frankfurt am Main 1996, S. 209-224; Theodor von Sickel (Bearb.), Acta regum et imperatorum Karolinorum digesta et enarrata. Die Urkunden der Karolinger, Bd. 1: Lehre von den Urkunden der ersten Karolinger (751-840), Wien 1867, S. 76-80, 152-154.