Transkription
Siffridus dei gratia sancte maguntine sedis archiepiscopus, sacri imperij per Germaniam archicancellarius, Universis in christo fidelibus litteras has inspecturis volumus esse notum quod Comes Hermannus de Scowenburg, Comes Albertus de Waldensteine, decimam in Woldolueshusen quam de nostris manibus tenuerunt et alijs qui ab eis ipsam tenuisse noscuntur, nobis libere resignaverint, et nos cum ecclesie in Wicenstein, ordinem sancti Augustini maguntine diocesis contulerimus praepositis dominis, ecclesia ipsa ut ecclesie maguntine recompensatio fieret aliqualis, in restaurum ipsius decime resignavit in manus nostras Tres mansas suos, sitos in villa Heroldeshusen, quos praedictis Comitibus et aliis, qui partes decime supradicte tenebant, loco ipsius decime duximus conferendos ecclesie sepedicte in Wicensteine accedente beneplacito et consensu. Ut igitur hec perpetuis temporibus partibus hinc et inde maneat inconvulsa, presentem paginam super eis conscribi formam, et sigilli nostri munimine roborari, cum eorum testimonis quorum nomina sunt subscripta. E. decani de Amneberg, [Leerstelle], prepositi de Cassele, H. Plebani de Orfe. Laicorum vero, Hermanni de Holzhusen, Werheri de Besse, [Leerstelle] et [Leerstelle] fratrum de Meisembuege et aliorum quarum plurimorum. Acta sunt hec apud Fritslariam, III. kal. Martij, anno gratie m.° cc.° xl.° septimo, pontificatus nostri anno septimo decimo.
Übersetzung
Wir, Siegfried, von Gottes Gnaden Erzbischof des heiligen Mainzer Stuhls, des Heiligen Reichs Erzkanzler für Germanien, wollen allen Getreuen in Christus, die dieses Schriftstück betrachten werden, verkünden, dass Graf Hermann von Schauenburg und Graf Albert von Wallenstein sowie die anderen, die diesen [Zehnt] von ihnen erhalten haben, uns den Zehnten in Wahlershausen, den sie aus unseren Händen empfangen haben, freimütig zurückgegeben haben. Und wir haben diesen [Zehnten] der Kirche des Ordens des Heiligen Augustinus in Weißenstein, mainzischer Diözese, übertragen. Damit den vorgenannten Herren aber von der Mainzer Kirche eine Wiedergutmachung geschehe, hat diese Kirche [in Weißenstein] ihre drei im Dorf Harleshausen gelegenen Hufen zum Ersatz für diesen Zehnten zurückgegeben. Diese [Hufen] übertragen wir mit der Zustimmung der Kirche in Weißenstein anstelle dieses Zehnten den vorgenannten Grafen und den anderen, die Teile des oben genannten Zehnten besaßen. Damit diese [Beschlüsse] jetzt und für alle Zeit unversehrt bleiben, stellen wir die gegenwärtige Urkunde aus und bekräftigen sie durch die Befestigung unserer Siegel. Das gegenwärtige Schriftstück wird in Anwesenheit derer verfasst, deren Namen als Beweis unterschrieben stehen. E[ckehard], Dekan von Amöneburg, [Leerstelle], Propst von Kassel, Pleban H[einrich] von Urff. Von den Laien aber: Hermann von Holzhausen, Wernher von Besse, [Leerstelle] und [Leerstelle], Gebrüder von Meisembuege, und andere mehr. Gegeben sind diese [Bestimmungen] bei Fritzlar, am dritten Tag vor den Kalenden des März, im Jahr der Gnade 1247, im 17. Jahr unseres Pontifikats.
Erläuterung
Am 27. Februar 1247 übertrug der Mainzer Erzbischof Siegfried III. von Eppstein den Grafen von Schauenburg und Wallenstein Besitzungen in Harleshausen. Im Austausch hierfür hatten die Grafen dem Erzstift zuvor den Zehnten in Wahlershausen zurückgegeben. Siegfried gab diesen Zehnten an die Augustiner in Weißenstein, aus deren Besitz wiederum die Güter in Harleshausen stammten. Bezeugt wurde dieser Tauschvorgang von einer Reihe geistlicher und weltlicher Zeugen, deren Namen aufgrund von Leerstellen im Urkundentext jedoch teilweise nicht überliefert sind. Besondere Bedeutung kommt der inhaltlich recht unscheinbaren Urkunde im Kontext des Hegemonialstrebens des Mainzer Erzbistums im hessischen Raum zu: Lediglich elf Tage vorher, am 16. Februar 1247, war Heinrich Raspe IV. aus dem Geschlecht der Ludowinger, letzter Landgraf von Thüringen und Gegenkönig zu Kaiser Friedrich II., auf der Wartburg gestorben. Ende Februar ließ Erzbischof Siegfried daraufhin die bedeutendsten Vertreter des hessischen Niederadels in der mainzischen Exklave Fritzlar zusammenkommen, um die Kontrolle über die nordhessischen Territorien zurückgewinnen, die die Ludowinger als Lehen von Mainz erhalten hatten. Bei dieser Zusammenkunft, die durch die vorliegende Urkunde belegt ist, waren neben den Grafen von Schauenburg und Wallenstein auch der Hildesheimer Bischof Heinrich I. von Rusteberg, Graf Adolf I. von Waldeck und der Ministeriale Konrad von Elben anwesend. Die Bemühungen Siegfrieds, die Nachfolge der Ludowinger in den Mainzer Kirchenlehen in seinem Sinn zu regeln, blieben allerdings erfolglos, woraufhin der thüringisch-hessische Territorialkonflikt ausbrach.
bearbeitet von Daniel Gneckow
Glossar
Erzbistum/Erzstift
Gegenkönig
Hufe
Lehen
Ludowinger
Ministeriale
Literatur
Johann Friedrich Böhmer/Cornelius Will (Bearb.), Regesta archiepiscoporum Maguntinensium. Regesten zur Geschichte der Mainzer Erzbischöfe von Bonifatius bis Uriel von Gemmingen 742?-1514, Bd. 2: Von Konrad I. bis Heinrich II. 1161-1288, Innsbruck 1886, S. 292, Nr. 586 [Regest]; Hugo Brunner, Geschichte der Stadt Gudensberg und des Landgerichts Maden, in: MHG (1897), S. 89-131; Theodor Ilgen/Rudolf Vogel (Bearb.), Kritische Bearbeitung und Darstellung der Geschichte des thüringisch-hessischen Erbfolgekrieges (1247-1264), in: ZHG 20, NF 10 (1883), S. 151-380; Mathias Kälble, Heinrich der Erlauchte, Sophie von Brabant und das ludowingische Erbe in Thüringen, in: Ursula Braasch-Schwersmann/Christine Reinle/Ulrich Ritzerfeld (Hgg.), Neugestaltung in der Mitte des Reiches. 750 Jahre Langsdorfer Verträge 1263-2013 (Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte 30), Marburg 2013, S. 255-287; Peter Moraw, Die territoriale Zersplitterung im späten Mittelalter, in: Schultz, Uwe (Hg.), Die Geschichte Hessens, Stuttgart 1983, S. 60-71; Frauke Stange-Methfessel, Frauwe Sophia … regirte von irss sons wegen gar erlich unde wole. Die fürstliche Herrschaft Herzogin Sophies von Brabant († 1275) im Spiegel zeitgenössischer Quellen, in: Ursula Braasch-Schwersmann/Christine Reinle/Ulrich Ritzerfeld (Hgg.), Neugestaltung in der Mitte des Reiches. 750 Jahre Langsdorfer Verträge 1263-2013 (Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte 30), Marburg 2013, S. 223-238; Matthias Werner, Neugestaltung in der Mitte des Reichs. Thüringen und Hessen nach dem Ende des ludowingischen Landgrafenhauses 1247 und die Langsdorfer Verträge von 1263, in: Braasch-Schwersmann u.a., a.a.O., Marburg 2013, S. 5-118.