Von Rosenkötter , 24 Januar 2025

Transkription

Sophya Dei gracia lantgravia Thuringye & domina Hassye viris venerabilibus confratribus suis Decano & canonicis sancti Stephani in Maguncia, quicquid est salutis in Christo. Tenore presencium protestamur quod ad multimodas & speciales vobis tenemur graciarum acciones ex hoc quod ad faciendam composicionem de dissensione que iam dudum inter nos habita est de bonis in Ebilzstorf & sibi attinentibus nostris consiliariis & nunciis benivole acquievistis. In cujus composicionis firmamentum profitemur, quod de eisdem bonis in annuis censibus vobis solvere tenemur centum moldra siliginis, octoginta moldra tritici XXXII talenta Maguntinensium denariorum & tres marcas Coloniensis hoc pretextu, quod aut isdem qui nunc in eis bonis villicus est aut alter quis cui a vobis nobis transmisso eandem villicacionem contuleritis prenotatam summam debitam suis expensis in domum vestram Maguntiam deportabit, & sciatis quod in predictis bonis nichil nobis juris attribuimus, sed ut eis utemur pro censu super habito usque ad terminum vite nostre. Datum & actum anno Domini MCCXLIX, mense Aperili.

 

Übersetzung

Sophie, von Gottes Gnaden Landgräfin von Thüringen und Herrin von Hessen, entbietet den ehrwürdigen Männern, den Brüdern, ihrem Dechant und den Kanonikern von St. Stephan in Mainz, Grüße in Christus. Durch den Wortlaut des Gegenwärtigen verkünden wir, dass wir euch zu vielerlei und besonderen Handlungen der Wertschätzung verpflichtet sind, aus der heraus die Aussöhnung der Meinungsverschiedenheit über die Güter in Ebsdorf und ihre Zugehörigkeit gemacht wurde, die bereits lange zwischen uns herrschte, weshalb ihr wohlwollend euren Ratgebern und Gesandten Folge geleistet habt. Mit dieser Einigung erbringen wir den Beweis, dass wir verpflichtet sind, euch von denselben Gütern als Abgaben jährlich 100 Malter Weizenmehl, 80 Malter Weizen, 32 Pfund Mainzische und drei Kölnische Pfennige zu bezahlen und dass hierzu entweder derjenige, der nun auf diesen [beiden] Gütern Verwalter ist, oder einer von den zweien, welcher von uns zu euch hinübergeschickt werde, denselben Ertrag, den ihr zusammengetragen habt, und die vorgenannte geschuldete Summe auf eigene Kosten in euer Haus in Mainz bringen wird, und seid versichert, dass wir uns in den vorgenannten Gütern keinerlei Rechte anmaßen, sondern diese bis an das Ende unseres Lebens nur für die Schätzung über den Besitz nutzen werden. Gegeben und geschehen im Jahr des Herrn 1249, im Monat April.

 

Erläuterung

Im Rahmen des thüringisch-hessischen Territorialkonflikts, der von 1247 bis 1264 andauerte, trugen Sophie von Brabant und ihr Sohn Heinrich I. von Hessen unter anderem wechselvolle Konflikte mit dem Mainzer Erzbistum aus. Erstmals fassbar werden diese Auseinandersetzungen im April 1249, als sich Sophie mit Brüdern, Kanonikern und Dechant des Stifts St. Stephan in Mainz verglich, nachdem sie sich über mehrere Jahre um die Besitzansprüche auf bestimmte Güter in Ebsdorf bei Marburg gestritten hatten. Einer Einigung zwischen den Konfliktparteien hatte der Mainzer Erzbischof Siegfried III. von Eppstein im Weg gestanden, der als „kriegerischer“ und „herrschsüchtiger“ Reichsfürst (vgl. Ilgen/Vogel, Kritische Bearbeitung, S. 272) galt. Doch nach dem Tod Siegfrieds am 9. März 1249 sahen beide Seiten die Gelegenheit zur Beilegung ihrer Streitigkeiten gekommen. Sophie versprach den Brüdern unter der Vermittlung ihrer Berater, ihnen jährlich verschiedene Geld- und Naturalienabgaben zu entrichten. Diese Einigung erfolgte demnach nicht unmittelbar mit dem Mainzer Erzbischof selbst, sondern vielmehr mit dem zur Mainzer Diözese gehörigen Stift. Wenngleich der Tod Siegfrieds und die Wahl Christians II. von Bolanden zu seinem Nachfolger eine temporäre Unterbrechung der aggressiven Mainzer Territorialpolitik gegenüber Hessen bedeuteten, sollten sich die Konflikte Sophies von Brabant mit dem Mainzer Erzbischof in den Folgejahren (mit einigen Unterbrechungen) weitaus feindseliger gestalten.

bearbeitet von Daniel Gneckow

 

Glossar

Dechant

Kanoniker

Malter

 

Literatur

Otto Grotefend/Felix Rosenfeld (Bearb.), Regesten der Landgrafen von Hessen, Bd. 1: 1247-1328, 2. unveränd. Aufl., Nachdr., Marburg 1991, S. 8, Nr. 21 [Regest]; Stephan Alexander Würdtwein (Bearb.), Dioecesis Moguntina in Archidiaconatus distincta et commentationibus diplomaticis illustrata, Bd. 3: Qui continet diplomata CCCXC, Mannheim 1777, Nr. 199, S. 301-302 [Druck]; Karl Heinemeyer, Territorium ohne Dynastie: Der Erzbischof von Mainz als Diözesanbischof und Landesherr, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 44 (1994), S. 1-15; Theodor Ilgen/Rudolf Vogel (Bearb.), Kritische Bearbeitung und Darstellung der Geschichte des thüringisch-hessischen Erbfolgekrieges (1247-1264), in: ZHG 20, NF 10 (1883), S. 151-380; Matthias Werner, Neugestaltung in der Mitte des Reichs. Thüringen und Hessen nach dem Ende des ludowingischen Landgrafenhauses 1247 und die Langsdorfer Verträge von 1263, in: Ursula Braasch-Schwersmann/Christine Reinle/Ulrich Ritzerfeld (Hgg.), Neugestaltung in der Mitte des Reiches. 750 Jahre Langsdorfer Verträge 1263-2013 (Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte 30), Marburg 2013, S. 5-118.

Archiv
Nummer
230
Band
230
Seite
0
Im Menü
Ja
Bilder und Text jeweils auf eigener Seite
Nein
Kurztitel
Urkunde 1249 April: Vergleich zwischen Sophie von Brabant und dem Stift St. Stephan zu Mainz
Datum bis: Jahr
1249
Legacy-ID
10565
Datum bis: Monat
00
Datum bis: Tag
00
Datum von: Jahr
1249
Datum von: Monat
00
Datum von: Tag
00
Einmaldatum
Ja
Institution-Autor
Herzogin Sophie von Thüringen
Nur Jahresangabe
Ja
Ohne Datum
Nein
Periode
Reihenfolge
2
Ungefähres Datum
Nein