Transkription
Frater Hugo miseracione divina tituli sancte sabine presbyter cardinalis apostolice sedis legatus Dilectis in christo abbatisse et conventui monasterii de Kalderen cisterciensis ordinis maguntine diocesis, salutem in domino. Supplicationibus vestris eo libentius exauditionis gratiam exhibemus quo eas favore conspicimus digniores. Ex parte siquidem vestra nobis extitit intimatum quod nobilis mulier Sophia ducissa Brabancie ius patronatus quod in ecclesia de Kalderen maguntine diocesis obtinebat cum pertinentiis suis nobis et per nos monasterio vestro pia et pro uita deliberatione donavit, prout in litteris inde confectis dicitur plenius contineri. Nos igitur vestris et ipsius nobilissime precibus inclinatibus donationem eandem sicut pie ac sine pravitate facta existit, ratam habentes et gratiam illam auctoritate presencium confirmamus et presentis scripti patrocinio communimus. Nulli ergo omnino hominum liceat hanc paginam nostre confirmatione infringere, vel ei ausu temerario contraire. Si quis autem hoc attemptare presumpserit, indignationem omnipotentis dei et beatorum petri et pauli apostolorum eius se noverit incursurum. Datum Colonie Idus Novembris pontificatus domini Innocentii pape IIII, anno Nono.
Übersetzung
[Ich], Bruder Hugo, aus göttlicher Barmherzigkeit Kardinalpriester der Titelkirche Santa Sabina und Legat des Apostolischen Stuhls, entbiete den Getreuen in Christus, der Äbtissin und dem Konvent des Zisterzienser-Klosters Caldern, mainzischer Diözese, den Gruß im Herrn. Nach euren Bittgesuchen erweisen wir euch bereitwillig die Gunst der Erhörung, die wir für angemessen halten. Weil uns ja von eurer Seite berichtet wurde, dass die edle Frau Sophie, Herzogin von Brabant, uns und durch uns eurem Kloster das Patronatsrecht, das sie für die Kirche in Caldern, mainzischer Diözese, innehatte, mit allen Zugehörigen fromm und für das Leben geschenkt hat, sei dies in dem hier vollendeten Schriftstück ausführlich festgehalten. Wir haben daher wegen eurer und der sehr edlen Frau [Sophies] ergebenen Bitten dieselbe so fromm wie ohne Schlechtigkeit getätigte Schenkung anerkannt. Die Gunst und den rechtskräftigen Besitz bekräftigen wir durch die Autorität der Gegenwärtigen und schützen das Patronat durch das vorliegende Schreiben. Keinem Menschen ist es also erlaubt, diese Urkunde zu brechen oder sich dieser durch ein unbedachtes Wagnis zu widersetzen. Wenn sich aber jemand anmaßen sollte, dies zu versuchen, wird er umgehend den Zorn des allmächtigen Gottes und der heiligen Apostel Petrus und Paulus auf sich ziehen. Gegeben in Köln am Tag der Iden des Novembers, im neunten Jahr des Pontifikats des Herrn Papsts Innozenz IV.
Siegelbeschreibung
Das Siegel des Ausstellers Hugo von Saint-Cher hängt an roten und gelben Seidenfäden. Das spitzovale Klerikersiegel aus honiggelbem bzw. hellbraunen Wachs ist im oberen und unteren Randbereich bis zur Bildfläche fragmentiert. Das Siegel zeigt den Aussteller stehend im bodenlangen, faltenreichen Pontifikalgewand mit weiten Ärmeln, der Stoffstreifen vor der Brust ist wahrscheinlich Teil eines Superhumerales und weist den Träger als Kardinal aus. Die Figur, deren Gesichtszüge trotz Abriebs erkennbar sind, hält mit beiden Händen ein Buch vor sich, das die Heilige Schrift darstellen soll. Die durch ein Chrismon als symbolische Anrufung Jesu Christi eingeleitete Umschrift lautet:
(C) S'(igillum) F(rat)RIS / HVG(onis) […] S(an)C(t)E […] (sab)INE / P(res)B(yte)RI / CAR(dinalis) […]
Übersetzung: (Chrismon) Siegel des Bruders Hugo […], Kardinalpriester von Santa Sabina […].
Erläuterung
Nachdem die hessische Landgräfin Sophie von Brabant dem Kloster Caldern am 17. April 1250 das Patronat über ihre Kapelle in Caldern übertragen hatte, bestätigte der päpstliche Legat Hugo im November 1251 diese Schenkung. Der französische Dominikanermönch Hugo von Saint-Cher wurde 1244 von Papst Innozenz IV. zum Kardinalpriester der Titelkirche Santa Sabina in Rom erhoben und fungierte anschließend als Legat des Heiligen Stuhls im nordalpinen Reichsteil.
Aus seiner Urkunde an das Kloster vom 13. November 1251 geht hervor, dass der Legat den Bittgesuchen der Mönche nachgibt. Motiviert waren diese Bittgesuche wesentlich durch den thüringisch-hessischen Territorialkonflikt, in dem Sophie von Brabant und Heinrich I. einerseits und das Erzbistum Mainz andererseits Konflikte um die mainzischen Kirchenlehen in Hessen austrugen, die große Teile der späteren Landgrafschaft beinhalteten. Der thüringische Landgraf Heinrich Raspe IV. hatte diese zuvor vom Mainzer Erzbischof erhalten. Der seit 1249 amtierende Mainzer Erzbischof Christian II. von Bolanden war zudem bis Juni 1251 in Auseinandersetzungen mit dem römisch-deutschen König Wilhelm von Holland verwickelt, da er diesem die Unterstützung gegen die Staufer verweigerte. Erst nach einer Beschwerde des Königs an Papst Innozenz gelang es Hugo, Christian von Bolanden 1251 zum Rücktritt zu bewegen. Im Kontext dieser wechselvollen Konflikte befürchteten die Mönche des zur Mainzer Diözese gehörigen Klosters Caldern, dass ihre von Sophie erteilten Privilegien durch die hessisch-mainzischen Konflikte gefährdet sein könnten und ließen sie daher durch den päpstlichen Legaten bestätigen.
bearbeitet von Daniel Gneckow
Glossar
Kardinalpriester
Titelkirche
Patronat
Diözese
Literatur
Otto Grotefend/Felix Rosenfeld (Bearb.), Regesten der Landgrafen von Hessen, Bd. 1: 1247-1328, 2. unveränd. Aufl., Nachdr., Marburg 1991, S. 11, Nr. 31 [Regest]; Peter Acht, Art. „Christian II. von Weisenau“, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 227; Theodor Ilgen/Rudolf Vogel (Bearb.), Kritische Bearbeitung und Darstellung der Geschichte des thüringisch-hessischen Erbfolgekrieges (1247-1264), in: ZHG 20, NF 10 (1883), S. 151-380.