Von Rosenkötter , 24 Januar 2025

Transkription

Notum sit universis hanc notulam intuentibus, qvod nos Heinricus Lantgravius promisimus data fide et prestito juramento juvare fideliter Consanguineum nostrum Comitem G. de Cyginhain tanqvam dilectum nostrum Castrensem contra qvoslibet suos inimicos excepto domino – sororio nostro Duce de Brunswich. Ipsi qvoque et amicis ipsius cunctas nostras munitiones aperiemus et Castra ipsos intromittendo qvotiens fuerimus reqvisiti. Nullum etiam dampnum faciemus Comiti L. de Cyginhain de munitionibus Comitis G. prefati, nisi prius dictus L. Comes dominum Archiepiscopum vel suos adjutores Cyginhain vel Nedehe intromittat, et si forte sic evenerit, qvod homines et adjutores nostri aliquo metu fugati Cyginhain vel Nidehe venerint dictus G. Comes ipsos illuc sicut in alias omnes munitiones intromittet et javabit bona fide. Item si Comites de Waldeken dicto domino Archiepiscopo Moguntino contra nos astare voluerint prefatus G. Comes cum suis amicis omni posse suo contra dictos Comites nos juvabit, vel si dicti Comites per se terram nostram intrarent hostiliter, Idem G. Comes ipsis pro suis viribus resistet. Hoc tamen excepto, qvod ipsorum terram hostiliter non intrabunt. Preterea si Moguntinus Archiepiscopus dictum Comitem G. in bonis qve possidet aliqvomodo vellet impetere vel turbare nos ipsum juvabimus bona fide. Insuper inter nos est condictum, qvod cum dictum G. Comitem nos vel nostri amici vocaverimus in nostrum servicium ipse cum suis amicis nostris expensis nos juvabit, et si qvod dampnum receperit notorie ipsi refundemus juste vel amice et si qvi captivi fuerint nobis presentabuntur, et si sepe dictus G. Comes nostros amicos contra speciales inimicos suos vocaverit in ipsius subsidium ipse G. Comes eorum procurabit expensas eorumque dampna notoria, si qve receperint juste refundet vel amice et si qvi capti fuerint presentabuntur eidem. Ceterum pro ejusmodi adjutorio deponemus eidem Comiti Quadringantas Marcas in nostris opidis scilicet Mareburg, Gruninberg et Aylsfeld ubi nobis eas assignaverit deponendas, et hoc infra dies XIV. a festo sancti Johannis Baptiste proxime nunc venturo. Si qvis vero tenetur insuper Castrensibus vel civibus in predictis civitatibus nostris vel alias ubicunque nobis attinentibus persolvet juste et amice. Preterea nos duos ex nostris eligemus et dictus G. Comes totidem fide dignos qvi jurabunt, qvod qvicqvam dissensionis jam sit vel oriatur, exinde, inter amicos nostros juste sopiant et amice. In cujus rei evidenciam nos Heinricus Lantgravius nostrum sigillum fecimus hiis appendi. Datum Mareburg IIII. Non. Junii Anno Domini M.° CC.° LX.° II.° 

 

Übersetzung 

Es sei allen Betrachtern dieser Botschaft bekannt [gegeben], dass wir, Landgraf Heinrich, versprochen, [unser] Ehrenwort gegeben und den Eid geleistet haben, unseren Blutsverwandten, den Grafen G[ottfried] von Ziegenhain wie unseren geschätzten Burgmann gegen jeden beliebigen seiner Feinde treu zu unterstützen, ausgenommen [gegen] den Herrn – unseren Schwager, den Herzog von Braunschweig. Demselben und den Freunden desselben werden wir auch alle unsere Burgen öffnen und er wird uns in die eigenen Burgen hineinlassen, so oft wir es verlangt haben werden. Wir werden dem Grafen L[udwig] von Ziegenhain allerdings von den Burgen des vorgenannten Grafen G[ottfried] aus keinen Schaden zufügen, außer der zuvor genannte Graf L[udwig] lässt den Herrn Erzbischof oder seine Helfer in Ziegenhain oder Nidda ein, und wenn dies vielleicht so eintreffen sollte, dass unsere Männer und Helfer von irgendeiner Bedrängnis in die Flucht geschlagen nach Ziegenhain oder Nidda gekommen wären, wird der genannte Graf G[ottfried] diese dort gleichsam in alle seine Burgen hineinlassen und [ihnen] mit gutem Vertrauen helfen. Wenn ebenso die Grafen von Waldeck beschlossen haben sollten, sich mit dem genannten Herrn Erzbischof von Mainz zu verbünden, wird uns der vorgenannte Graf G[ottfried] mit seinen Freunden mit all seiner Fähigkeit beistehen, oder wenn die genannten Grafen von sich aus feindlich unser Land überfallen, wird sich derselbe Graf G[ottfried] diesen mit allen seinen Männern widersetzen. Freilich [ist es] ausgeschlossen, wenn sie das Land derselben nicht angreifen werden. Wenn der Mainzer Erzbischof den genannten Grafen G[ottfried] außerdem in den Gütern, die er besitzen wird, in anderer Weise angreifen oder schädigen wollte, werden wir demselben in guter Treue beistehen. Darüber hinaus ist zwischen uns vereinbart, dass wir oder unsere Freunde den genannten Grafen in unseren Dienst rufen werden [und] derselbe wird uns mit seinen Freunden bei unseren Anstrengungen unterstützen, und wenn er öffentlich bekannten Schaden erleiden sollte, werden wir ihm diesen rechtmäßig und freundschaftlich zurückerstatten und wenn Gefangene gemacht werden, werden ihm diese von uns übergeben, und wenn der oft genannte Graf G[ottfried] unsere Freunde gegen seine besonderen Feinde zu seiner Hilfe rufen werde, wird er für deren Ausgaben und deren öffentlich bekannten Schäden aufkommen, wenn sie diese erlitten haben, wird er sie rechtmäßig und freundschaftlich zurückerstatten und wenn Gefangene gemacht werden, werden sie denselben übergeben. Im Übrigen hinterlegen wir für derartige Unterstützung für denselben Grafen 400 Mark in unseren Städten, nämlich in Marburg, Brünberg und Alsfeld, wohin er [Heinrich] angewiesen hat, [diese Geldsumme] zu hinterlegen, und [wohin] dieser nun innerhalb von 14 Tagen bis zum nächsten Fest des Heiligen Johannes des Täufers kommen wird. Wenn er allerdings überdies dazu aufgefordert wird, wird er [diese Absprache] mit den zu unseren vorgenannten Städten oder sonst wo auch immer gehörenden Burgmannen oder Bürgern rechtmäßig und freundschaftlich einhalten. Wir werden außerdem zwei von uns und der genannte Graf G[ottfried] ebenso viele Vertrauenswürdige auswählen, die entscheiden, sobald irgendein Streit herrsche oder entstehe, um dann rechtmäßig und freundschaftlich zwischen unseren Freunden zu vermitteln. Zur Veranschaulichung dieser Angelegenheit hängen wir, Landgraf Heinrich, unser Siegel an. Gegeben in Marburg am 4. [Tag vor den] Nonen des Juni im Jahr des Herrn 1262. 

 

Erläuterung 

Am 2. Juni 1262 verbündete sich Landgraf Heinrich I. von Hessen mit Graf Gottfried V. von Ziegenhain. Das Bündnis richtete sich gegen alle Angreifer, wobei der Landgraf seinen Schwager Herzog Albrecht I. von Braunschweig ausnahm, der als Unterstützer Hessens im thüringisch-hessischen Territorialkonflikt in Erscheinung trat. Beide Bündnispartner öffneten sich ihre Burgen und vereinbarten gegenseitige Hilfeleistung. Im Rahmen des thüringisch-hessischen Territorialkonflikts trugen Mainz und Hessen seit 1247 Konflikte um die mainzischen Kirchenlehen in Hessen aus, deren Rückgabe Landgraf Heinrich und seine Mutter Sophie von Brabant verweigerten. Heinrich verprach daher, dem Grafen Ludwig II. von Ziegenhain vom Besitz seines Verwandten Gottfried aus keinerlei Schaden zufügen zu wollen, sofern Ludwig sich nicht den gegen Hessen opponierenden Mainzer Erzbischöfen anschließen sollte. Gleiches gilt für die Grafen von Waldeck. Bereits Gottfrieds Vater, Graf Berthold I. von Ziegenhain, hatte eine wechselvolle Politik zwischen Hessen und dem Erzbistum Mainz verfolgt, um seine Autonomie zu wahren und sein Territorium zu schützen. Doch nach dem Tod Graf Bertholds von Ziegenhain 1258 entstand ein Erbstreit zwischen Gottfried V. und Ludwig II. Unter Vermittlung des Mainzer Erzbischofs vereinbarten sie die Teilung ihres Gebiets, im Zuge derer Gottfried das Territorium um Ziegenhain zugesprochen wurde. Ludwig erhielt wiederum das Gebiet um Nidda. Im Gegensatz zu seinem Verwandten schloss sich der in Nidda residierende Graf Ludwig von Ziegenhain der gegen Hessen opponierenden Mainzer Seite an. Die beiden Landesteile der Grafschaft Ziegenhain gehörten somit zeitweise verfeindeten Parteien an, weshalb detaillierte Regelungen zwischen den beiden Verwandten erforderlich waren, um Konfikte unter ihnen zu vermeiden. Zur friedlichen Beilegung eventueller Konflikte einigten sich beide Seiten darüber hinaus auf Streitschlichter. 

bearbeitet von Daniel Gneckow

Glossar 

Burgmann 

 

Literatur 

Otto Grotefend/Felix Rosenfeld (Bearb.), Regesten der Landgrafen von Hessen, Bd. 1: 1247-1328, 2. unveränd. Aufl., Nachdr., Marburg 1991, S. 24-25, Nr. 70 (Regest); Konrad Wilhelm Ledderhose (Bearb.), Kleine Schriften, Bd. 4, Marburg 1792, S. 279-280 (Druck); Gerd Althoff, Die Erhebung Heinrichs des Kindes in den Reichsfürstenstand, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 43 (1993), S. 1-17; Theodor Ilgen/Rudolf Vogel (Bearb.), Kritische Bearbeitung und Darstellung der Geschichte des thüringisch-hessischen Erbfolgekrieges (1247-1264), in: ZHG 20, NF 10 (1883), S. 151-380; Frauke Stange-Methfessel, Frauwe Sophia … regirte von irss sons wegen gar erlich unde wole. Die fürstliche Herrschaft Herzogin Sophies von Brabant († 1275) im Spiegel zeitgenössischer Quellen, in: Ursula Braasch-Schwersmann/Christine Reinle/Ulrich Ritzerfeld (Hgg.), Neugestaltung in der Mitte des Reiches. 750 Jahre Langsdorfer Verträge 1263-2013 (Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte 30), Marburg 2013, S. 223-238; Matthias Werner, Neugestaltung in der Mitte des Reichs. Thüringen und Hessen nach dem Ende des ludowingischen Landgrafenhauses 1247 und die Langsdorfer Verträge von 1263, in: Ursula Braasch-Schwersmann u.a., a.a.O., Marburg 2013, S. 5-118.

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13
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13
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Kurztitel
Urkunde 1262 Juni 02: Bündnisvertrag Landgraf Heinrichs I. von Hessen mit Graf Gottfried V. von Ziegenhain
Datum bis: Jahr
1262
Legacy-ID
10562
Datum bis: Monat
06
Datum bis: Tag
02
Datum von: Jahr
1262
Datum von: Monat
06
Datum von: Tag
02
Einmaldatum
Ja
Institution-Autor
Landgraf Heinrich I. von Hessen
Nur Jahresangabe
Nein
Ohne Datum
Nein
Periode
Reihenfolge
6
Ungefähres Datum
Nein