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Von Rosenkötter , 24 Januar 2025

Am 30. Januar 1933 war Adolf Hitler zum Reichskanzler einer Regierung aus NSDAP und DNVP ernannt worden. Dass die Marburger mit der Regierungsbeteiligung der NSDAP einverstanden waren, zeigen die Ergebnisse der Reichstagswahl vom 05.03.1933: Die NSDAP schnitt mit 9444 Stimmen (=57,6%) in der Stadt Marburg nämlich deutlich besser ab als im Reichsdurchschnitt (43,9%). Ihr Ergebnis vom November 1932 konnte sie sogar noch um 8,3% (=8105 Stimmen) steigern. Die DNVP hingegen verzeichnete einen Verlust von 11,1 %, was fast einem Viertel aller Wähler entsprach.

Von Gast (nicht überprüft) , 24 Januar 2025
Die Anzeige kommt wegen einer Denunziation zustande: Der Maurermeister S. habe sich in einer Gaststätte in Lohra kritisch gegenüber der Finanzierungspolitik des neuen Staates geäußert. Er bemängelte, dass den Arbeitern vom Lohn eine Mark einbehalten werde, was dann als "freiwillige" Spende bezeichnet würde. Der Hüttenarbeiter und SA-Mann Heinrich S. war wie die anderen Männer der Runde über die Aussage so "aufgebracht", dass er sofort einen Landjägereibeamten informierte. Am Ende der Anzeige wird der Landrat Marburg aufgefordert, den Beschuldigten zu vernehmen.
Von Gast (nicht überprüft) , 24 Januar 2025
Die Ortspolizei Marburg wird aufgefordert, Akten über Personen anzulegen, die sich politisch möglicherweise unzuverlässig zeigten. Auf diese Weise sei die politische Polizei jederzeit über diese Personen und ihr Verhalten informiert. Akten sollen so z.B. über ehemalige KPD- und SPD-Angehörige angelegt werden.
Von Rosenkötter , 24 Januar 2025
Der Erlass bestimmt, dass jüdische SchülerInnen ab sofort keine "deutschen Schulen" mehr besuchen dürfen, sondern nur noch jüdische. Der Grund: die "ruchlose Mordtat von Paris" [gemeint ist das Attentat Herschel Grynszpans auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath am 07.11.1938].
Von Rosenkötter , 24 Januar 2025

Das Reichsgesetz bedeutete eine Vertreibung aus der gewohnten Umgebung, beendete das Recht auf Mieterschutz und freie Wohnungswahl und kennzeichnet die Anfänge der Ghettoisierung. So entfiel für Juden z.B. die Möglichkeit, den Mieterschutz in Anspruch zu nehmen, wenn ihr nichtjüdischer Vermieter ihnen vorzeitig kündigte. Gleichzeitig erlaubte es den Gemeindebehörden, in Wohnungen oder Häuser, in denen  Juden leben, zusätzliche Mieter einzuweisen. Durch die Zwangseinweisung in neuen, beengten Wohnraum konnte auch die Trennung von sog. "Mischehen" beschleunigt werden.

Von Rosenkötter , 24 Januar 2025

Die Wahlergebnisse zeigen einen deutlichen Gewinn der NSDAP: Sie errang 7218 Stimmen; trotz eines Verlustes von 2226 Stimmen im Vergleich zur Reichstagswahl vom 05.03. erhielt sie damit 20 von 30 Sitzen im Stadtparlament. Weitere Sitzen bekamen SPD (4), KPD (1), Zentrum (1), DNVP (3) und Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft (1).  Damit hatte die NSDAP im neugewählten Marburger Stadtparlament keine nennenswerten Gegner mehr. Das Ergebnis spiegelt ein klares "Ja" der Marburger zum neuen Staat und eine deutliche Absage an die Parteien der Weimarer Republik wider.

 

Von Rosenkötter , 24 Januar 2025
Bei der Kommunalwahl vom 12.03.1933 konnten die Nationalsozialisten 20 von 30 Sitzen in der Stadtverordnetensammlung erringen. Die Marburger NSDAP nahm diesen Wahlerfolg zum Anlass, gegen angebliche Kritiker vorzugehen - auch ohne rechtliche Grundlage. So besetzte ein SA-Trupp Redaktion und Druckerei des Hessischen Tageblatts in der Deutschhausstraße - der Grund: Angebliche wiederholte Verleumdung von Reichskanzler, NSDAP und der Marburger Hilfspolizei.

Quelle abgedruckt in: Dettmering, Erhart: Was alle lesen konnten. Das Jahr 1933 im  Spiegel der Marburger Lokalpresse.