Von Schuchardt Luis , 24 Januar 2025

So sehr Kleidung dazu genutzt wird, einen gesellschaftlichen Status zu visualisieren, so sehr kann sie auch als Maske dienen. Auch im alltäglichen Leben kann Mode verkleiden und maskieren. Immer wieder aber gibt es Situationen, in denen ganz bewusst mit Hilfe von Kleidung das gesellschaftliche Gefüge verlassen wird.

Besonders offensichtlich wird dies am Beispiel von Theaterkostümen. Diese sind im Hessischen Landesarchiv in der Überlieferung der Staatstheater recht umfangreich dokumentiert. Sie spiegeln nicht nur den modischen Zeitgeschmack wider, sondern zeugen auch von der Interpretation der präsentierten Theaterstücke und Opern. Über die Mode erschließt sich daher auch, wie die jeweilige Epoche die Welt interpretiert hat. 

Jenseits des Theaters sind es die Fastnachtskostüme, die jedem einzelnen die Möglichkeit bieten, Abstand vom Alltag zu gewinnen. Seit dem Hochmittelalter sind solche Kostüme in den Quellen überliefert. Sie sollten zunächst helfen, böse Geister zu vertreiben. Später wurden diese Kostüme profaniert. Insbesondere an den Höfen wurden bei maskierten Bällen und so genannten „Wirtschaften“ die Standes- und Landesgrenzen überschritten. Folgten die Kostüme in der Frühen Neuzeit dabei noch eher standardisierten Vorgaben, wurden sie im Laufe der Moderne immer individueller. Heute mag die Auswahl der Kostüme Soziologen – oder auch Psychologen – dazu dienen, anhand der Maskierungen ein Gesellschaftsbild zu entwickeln: ein Bild der Wünsche, Ideale und Sehnsüchte.

Bilder und Text jeweils auf eigener Seite
Ja
Legacy-ID
1490
Reihenfolge
4