Von Kutsch Patricia , 24 Januar 2025

Deutschlands schwerster Verlust. Gustav Stresemann anläßlich der Entgegen­nahme des Friedensnobelpreises 1926 in der Aula der Universität Oslo am 29. 6.1927:


Der Geschichtsforscher sieht heute noch den Ausgang des Krieges für Deutschland vielfach nur in verlorenen Gebietsteilen, verlorener praktischer Kolonialbetätigung, verlorenem Staats- und Volksvermögen. Er übersieht vielfach den schwersten Verlust, den Deutschland miterlitten hat. Dieser schwerste Verlust bestand meiner Auffassung nach darin, daß jene geistige und gewerbliche Mittelschicht, die traditionsgemäß Trägerin des Staatsgedan­kens war, ihre völlige Hingabe an den Staat im Kriege mit der völligen Aufgabe ihres Vermögens bezahlte und proletarisiert wurde. Wie weit die Staatsräson dazu befugt war, dieses Opfer von einer ganzen Generation zu fordern, dieses Opfer, das darin bestand, daß das vom Staate ausgegebene Geld wertlos und nicht wieder ersetzt wurde, darüber ist der Streit der Geister und vielleicht auch die Praxis der Gesetzgebung bis heute nicht zum Abschluß gekommen.


Gustav Stresemann, Vermächtnis, hg. von Henry Bernhard, Bd. 3, Berlin 1933, S. 463

 

Bestand/Signatur
Gustav Stresemann, Vermächtnis, hg. von Henry Bernhard, Bd. 3, Berlin 1933, S. 463
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Kurztitel
Deutschlands schwerster Verlust. Gustav Stresemann anläßlich der Entgegen­nahme des Friedensnobelpreises 1926 in der Aula der Universität Oslo am 29. 6.1927:
Legacy-ID
3454
Datum von: Jahr
1927
Datum von: Monat
06
Datum von: Tag
29
Einmaldatum
Nein
Institution-Autor
Gustav Stresemann
Nur Jahresangabe
Nein
Reihenfolge
24
Ungefähres Datum
Nein