Von Kutsch Patricia , 24 Januar 2025

Weisungen des Reichspräsidenten für ein zukünftiges „Hindenburg-Kabinett". Aufzeichnung des Grafen von Westarp über eine Unterredung mit von Hinden­burg, 15.1.1930

a) antiparlamentarisch, also ohne Koalitionsverhandlungen und Vereinba­rungen.

b) antimarxistisch, [es] sei... schon um der Wirtschaft und der Finanzen willen durchaus erforderlich, zum mindesten auf einige Zeit hinaus den sozialdemo­kratischen Einfluß auszuschalten.

c) Wandlung in Preußen... Das sei auch unbedingt erforderlich, um der unwiderbringlichen Schäden der Personalpolitik willen, insbesondere aber, weil eine sozialdemokratische Regierung in Preußen gewillt und... auch in der Lage sein werde, der geplanten neuen Reichsregierung unüberwindliche Schwierigkeiten in den Weg zu legen.1

1 Das Land Preußen verfügte über 62,5% der Gesamtfläche und über 61,2% der Gesamteinwohner des Reiches, es war im Reichsrat mit 27 von 68 Stimmen die dominierende, politische Kraft (s. auch Anhang, Karte S. 125). Von 1920 bis zum sog. „Preußenschlag" am 20.7.1932 (s. Quellen 86 u. 87) regierte eine Koalition von SPD, DDP und Zentrum unter Führung des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Otto Braun.

Politik und Wirtschaft in der Krise 1930-1932, Bd. 1, Düsseldorf 1980, S. 15-18

 

Die beabsichtigte Ausschaltung der SPD aus der Regierungsverantwortung war im Januar 1930 aus reparationspolitischen Gründen (vgl. auch Quelle 58) noch nicht möglich. Zuvor mußte der „Young-Plan"1 im Reichstag verabschiedet wer­den, und dafür wurde die Zustimmung der SPD benötigt. Die Parteien der „Großen Koalition" befürworteten den im Juni 1929 ausgehandelten „Neuen Plan", weil er eine Verminderung der jährlichen Reparationszahlungen um durchschnittlich 450 Millionen Mark und zugleich die Aufhebung verschiedener alliierter Restrik­tionen vorsah.

Die nationale Rechte (DNVP, NSDAP) rief demgegenüber im Oktober 1929 zu einem Volksbegehren gegen die Verabschiedung des „Young-Planes" auf. NSDAPund DNVP konnten über4 Millionen Unterschriften fürein „Volksbegehren" sammeln, scheiterten aber deutlich im Volksentscheid am 22.12.1929. Gegen den „Young-Plan" votierten nur 13,8% der Stimmberechtigten.

Die parlamentarische Verabschiedung des „Young-Planes" erfolgte am 12. März mit 266 Stimmen der Regierungsparteien gegen 193 Stimmen der Opposition. Damit war die politische Klammer zerbrochen, die die „Große Koalition" noch zu­sammengehalten hatte.

 

1 benannt nach Owen D. Young (1874-1962), s. Kurzbiographien im Anhang

 

Bestand/Signatur
Politik und Wirtschaft in der Krise 1930-1932, Bd. 1, Düsseldorf 1980, S. 15-18
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Kurztitel
Weisungen des Reichspräsidenten für ein zukünftiges „Hindenburg-Kabinett". Aufzeichnung des Grafen von Westarp über eine Unterredung mit von Hinden­burg, 15.1.1930
Datum bis: Jahr
1930
Legacy-ID
3590
Datum bis: Monat
01
Datum bis: Tag
15
Datum von: Jahr
1930
Datum von: Monat
01
Datum von: Tag
15
Institution-Autor
Aufzeichung durch Graf von Westarp
Nur Jahresangabe
Nein
Reihenfolge
57
Ungefähres Datum
Nein