Von Schuchardt Luis , 24 Januar 2025

Mode und Extravaganz sind eng miteinander verbunden. Kleidung soll in vielen Fälle dazu dienen, die Trägerin oder den Träger gesellschaftlich zu verorten. Je opulenter oder extravaganter dies geschieht, umso mehr scheint sie aufzuwerten. Seinen Ursprung hat dieses Denken im höfischen Umfeld, wenn auch hier Extravaganz und Uniformität eng miteinander verzahnt waren. 

Die schwarze spanische Hofkleidung des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts setzte sich an vielen Höfen Europas durch. An ihr werden Eleganz und Pracht ebenso ablesbar wie die Strenge und Uniformität. Alles Individuelle trat – wie im Spanischen Hofzeremoniell – hinter die Einförmigkeit der Kleidung zurück. Sie galt als repräsentatives Statussymbol für ein entindividualisiertes Amt. 

Das lockerte sich im Laufe des 17. Jahrhunderts. Insbesondere die französische Hofmode trieb den Luxus auf die Spitze. Sie wurde bald zum Vorbild für die höfische Mode in ganz Europa. Trotz aller Extravaganzen musste aber auch hier die gesellschaftliche Hierarchie gewahrt bleiben. Nicht alles schickte sich für jeden. Es war daher eine Erleichterung, als im 18. Jahrhundert der Kleiderluxus in der höfischen Herrenmode zurücktrat. Die militärische Uniform ersetzte die individuelle Herrenmode. Rang und Bedeutung der Person versinnbildlichten sich dann nicht mehr im Aufwand der Kleidung, sondern im Rang der Uniform. Für die Damen der Gesellschaft galt dies mit ausladenden Reifröcken und Perücken noch nicht. 

Erst im Zuge der Französischen Revolution und der Orientierung an der antiken Mode erfolgte auch hier eine Vereinfachung. Die politische und soziale Codierung von Mode aber blieb. Ob ein Herr eine Kniebundhose oder eine lange Hose trug, war auch ein Zeichen seiner politischen Gesinnung. Grundsätzlich aber wurde die Herrenmode zusehends funktionaler. Die Schlichtheit hatte Einzug gehalten und hielt – mit eher geringfügigen Varianten – die Grundtypen bis heute bei. Die Damenmode durchlief allerdings im 19. Jahrhundert eine Vielzahl von Varianten. Viel stärker als im Bereich der Herrenbekleidung unterlag sie Moden, so dass Trends die Damenbekleidung prägten. 

Das hing damit zusammen, dass die Herren mit der Funktionalität eines werktätigen Bürgers in Verbindung gebracht wurden. Bequemlichkeit und Bewegungsfreiheit standen bei der Mode daher im Vordergrund. Die im 19. Jahrhundert üblicherweise nicht erwerbstätige Frau hingegen wurde als schmückendes Beiwerk bewertet, was den Kleidungsaufwand rechtfertigte und auf einem hohen Niveau hielt. 

Trotz emanzipatorischer Bewegungen und der Entwicklung verschiedener Strömungen der Anti-Mode im 20. und 21. Jahrhundert hat sich der größere modische Variantenreichtum bei der Damenmode bis heute gehalten.

Bilder und Text jeweils auf eigener Seite
Ja
Legacy-ID
1494
Reihenfolge
2