Von Schuchardt Luis , 24 Januar 2025

Kleidung lebt auch durch Accessoires. Im 18. Jahrhundert waren es die Perücken und Turmfrisuren, die die üppigen Kleider und Roben abrundeten. Die wahrhaft ausladende Körpersilhouette erreichte dadurch erst ihren vollen Umfang, so dass es für Frauen mit Hochfrisur und Reifröcken nicht eben leicht war, sich fortzubewegen.

Was im Rokoko die Turmfrisur war, waren in den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts die Nylonstrümpfe. Am 15. Mai 1940 wurden sie in US-amerikanischen Geschäften erstmals verkauft. Der Siegeszug begann. Als nach dem Zweiten Weltkrieg der Verkauf erneut startete, kam es in Amerika zu Ausschreitungen. In Pittsburgh sollen 40.000 Personen für 13.000 Paar Strümpfe angestanden haben. Und über Amerika gelangten die Strümpfe nach dem Krieg dann auch nach Deutschland, wo sie bald zum unverzichtbaren Modeaccessoire wurden.

In der Damenmode lange Zeit beherrschend blieb das Korsett. Es bestimmte bis ins späte 19. Jahrhundert das Bild der Frauenkleidung. Erste Vorläufer dazu entstanden in Burgund bereits im Spätmittelalter. Für die spanische Hoftracht in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde es dann unverzichtbar – am Anfang auch für Herren. Zunächst wurde die Taille mittels Fischbein eingeschnürt, im 19. Jahrhundert dann auch durch Stahlbänder. Die Sanduhrform mit besonders enger Taille galt als hochmodern, und Kaiserin Elisabeth von Österreich („Sisi“) soll es zu einem Umfang der Taille von 50 cm gebracht haben.

 

Natürlich wurde auch früh schon vor gesundheitsschädlichen Folgen gewarnt. Die Wirbelsäule konnte verkrümmt werden, Organe konnten Schaden erleiden und vieles mehr. Gerade in der Revolutionszeit um 1800 kam die ungesunde Form der Körperdeformierung in Misskredit. Sie wurde sogar gesetzlich verboten. Und in den Neuwiedischen Nachrichten wurde die Befreiung vom Korsett mit der Befreiung vom Korsen Napoleon gleichgesetzt.

Bilder und Text jeweils auf eigener Seite
Ja
Legacy-ID
1489
Reihenfolge
3