Von von der Osten-… , 24 Januar 2025

Das Gutachten des Universitätsrichters und Landgerichtsdirektors Dr. jur. Theodor Jeß gibt ein beredtes Beispiel für die auch in der akademisch gebildeten „Mitte der Gesellschaft“ des Kaiserreichs gepflegten antisemitischen Stereotype.

So führte der Universitätsrichter neben anderem aus: „Ich betrachte das Judentum als ein eigentümliches internationales Volksgebilde, welches stolz auf seine vieltausendjährige Geschichte und an besonderen Sitten und Gebräuchen festhaltend über die ganze Erde zerstreut nie und nimmer in den einzelnen Nationalitäten aufgehen will und wird. Der Sonderbündelei, welche die Juden diesem ihrem Volkscharakter entsprechend überall treiben, dadurch Halt und Stütze zu gewähren, daß man ihnen gestattet, auf den Universitäten in besonderen Vereinen öffentlich hervorzutreten, halte ich für eine nationale Gefahr, und überdies würde eine jüdische Vereinsbildung die Gegnerschaft der gesamten übrigen Studentenschaft herausfordern und zu endlosen Kämpfen und Reibungen Anlaß geben. […]“

Zwei Tage später legte er noch verschärfend nach, „daß es sich hier um eine internationale, deshalb antideutsche Vereinsbildung handelt.“

Diese Einwendungen setzten sich aber nicht durch. Der Verein wurde nach Rückfragen bei anderen deutschen Universitäten und Veränderung von dessen Statuten genehmigt.

Archiv
Nummer
7874
Band
7874
Seite
0
Im Menü
Ja
Bilder und Text jeweils auf eigener Seite
Nein
Kurztitel
Gründung eines Vereins jüdischer Studenten an der Universität Marburg im Jahr 1906. Stellungnahme des Universitätsrichters Dr. Theodor Jeß.
Datum bis: Jahr
1906
Legacy-ID
10596
Datum bis: Monat
00
Datum bis: Tag
00
Datum von: Jahr
1906
Datum von: Monat
00
Datum von: Tag
00
Einmaldatum
Ja
Nur Jahresangabe
Ja
Ohne Datum
Nein
Periode
Reihenfolge
11
Ungefähres Datum
Nein